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HomeOffice – Episode 3

Veröffentlicht am 17.04.2020 von Jörg Fecke

Mitarbeiter der DATATREE AG, das Beratungsunternehmen für Compliance, Datenschutz und Informationssicherheit, berichten über ihre persönlichen Erfahrungen aus dem HomeOffice.

Es gibt Sachen, die ändern sich nie, auch nicht unter einem Corona-Lockdown. Zum Beispiel meine Weckzeit: Nach wie vor 6 Uhr morgens. Anderes ändert sich natürlich mehr oder weniger extrem. Seitdem meine Frau und ich unsere Arbeitszeit komplett zu Hause verbringen, nutzen wir die eingesparte Zeit des täglichen Pendelns lieber für ein ausgeprägtes Frühstück. Statt den Beuteltee schnell runter zu kippen gibt es dann halt mal frisch aufgebrühten Earl Grey, es ist nicht alles schlecht. 

Kurz nach 7 Uhr sitze ich am Schreibtisch. Wir gehören zu den Glücklichen, die über genügend Arbeitszimmer verfügen. Einer der Vorteile des Lebens in einem kleinen Städtchens im Münsterland, Wohnraum ist verhältnismäßig günstig. 

Zunächst einmal die Mails checken, einen Blick ins Ticketsystem: Was ist nach dem letzten Feierabend noch angefallen? Schließlich geht es direkt in die Kundengespräche oder Skype-Konferenzen. Ich berate Kunden aus dem Gesundheitswesen. Krankenhäuser, Praxisverbünde, Pflegeeinrichtungen. Hier ist in den letzten Wochen natürlich sehr viel passiert. Das wirkt sich auch stark auf meinen Arbeitsalltag aus. An Begehungen vor Ort ist im Moment selbstverständlich nicht zu denken. Auch der Beratungsbedarf in Bezug auf Datenschutz ist momentan wesentlich höher als sonst. Wenn beispielsweise eine Behörde wie das örtliche Gesundheitsamt für Pflegeheime Besuchslisten mit kompletten Namen, Adressen und Telefonnummer vorsieht, dann erzeugt das mitunter auch eine Verunsicherung. Allerdings ist die Rechtslage hier sehr eindeutig, das Infektionsschutzgesetz bildet die Grundlage. 

Dafür funktioniert die Kommunikation aber wirklich gut. Der Austausch ist sogar signifikant stärker als vor Beginn der Corona-Krise. Ich habe das Gefühl, dass vielen erst jetzt bewusst wird, wie einfach ein Gespräch via Skype den Ortsbesuch ersetzen kann. Vielleicht sinkt damit auch die Hemmschwelle, ein paar Vor-Ort-Termine durch diese Tools zu ersetzen. Denn die Autofahrt zum Kunden gestaltet sich auch gerne zeitaufwendig, gerade im Ruhrgebiet können auf den ersten Blick wenige Kilometer Distanz zur Geduldsprobe werden. 

Mir fällt allerdings auf, dass ich in den vergangenen Wochen meinem Arbeitstag wesentlich mehr Struktur verpasst habe. Allabendlich setze ich in Gedanken eine recht ausführliche To-do-Liste zusammen. Brauchte ich vor Corona nicht. Ein eindeutig negativer Aspekt: Mir fehlt der direkte Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Ob der kurze Schnack am Mittagstisch oder der fachliche Austausch – es fehlt. Skype ist da auf Dauer für mich keine wirkliche Lösung. 

Die eingesparte Anfahrtszeit ins geliebte Büro nehme ich allerdings sehr gerne in Kauf. Man kann schon einiges mehr schaffen, wenn einem bis zu zwei Stunden mehr Zeit pro Tag zur Verfügung stehen. Die fließt gerade jetzt in die Gartenpflege, wie sich das für einen Münsterländer gehört. Ob Baumpflege, die neue Feuerstelle oder ein funktionierendes Bewässerungssystem – es gibt immer was zu tun. 

Heute wird aber vor allen Dingen der Grill angeworfen und die Urlaubsübergabe mit einer Kollegin organisiert. Eigentlich wollte ich mir für ein paar Tage Bologna angucken, vielleicht nächstes Jahr.